Dance Aerobic — eine Kombination vom Grundschritt bis zum Styling
Im Step-Kurs gibt die Bank die Richtung vor. Rauf, runter, drüber, drum herum — der Raum ist so groß wie die Bank. In Dance Aerobic gibt es keine Bank. Dafür gibt es den ganzen Raum, vier Wände, Drehungen, Arme und den Stil der Musik. Das macht es freier. Und schwerer zu unterrichten.
Die Schritte sind dieselben wie im Aerobic: Grapevine, V-Step, Mambo, Chassé. Was eine Dance-Kombination ausmacht, liegt darüber: wohin sie sich bewegt, was die Arme tun, wie sie aussieht. Dieser Artikel zeigt eine komplette Kombination über 32 Counts und die Reihenfolge, in der du sie der Gruppe beibringst.
Was Dance Aerobic anders macht
Vier Dinge kommen dazu, die im Step oder im klassischen Low Impact kaum eine Rolle spielen:
- Raum — die Kombination wandert. Seitlich, vor und zurück, manchmal mit Blick zu einer anderen Wand.
- Drehung — halbe oder ganze Drehungen, meist als Pivot oder als Teil eines Chassé.
- Arme — nicht als Zusatz für die Fortgeschrittenen, sondern als Teil der Choreo.
- Styling — Hüfte, Schultern, Blick, ein Akzent auf einem bestimmten Count. Das, was aus Schritten Tanz macht.
Jede dieser vier Ebenen ist für die Gruppe eine eigene Aufgabe. Deshalb kommen sie nacheinander, nie zusammen.
Die Beispiel-Kombination
32 Counts, vier Achter. Start mit dem rechten Fuß, Ende mit dem Gewicht auf links — die Wiederholung beginnt also wieder rechts.
Achter 1
1–4 Grapevine rechts
5–8 Grapevine links
Achter 2
1&2 Kick Ball Change
3&4 Kick Ball Change
5–8 Pivot Turn, 2 halbe Drehungen
Achter 3
1–4 Jazz Square
5&6 Chassé rechts
7&8 Chassé links
Achter 4
1–4 V-Step
5–8 Step Touch re, Step Touch li
Alle Schritte stehen mit Ausführung und Zählweise in der Liste der Aerobic-Schritte. Hier geht es darum, wie die Kombination zusammenkommt.
Erst die Füße
Die Gruppe lernt zuerst die Schrittfolge, auf der Stelle oder mit kleinem Raumweg, ohne Arme, ohne Drehung. Wie du die Füße in Stufen aufbaust, steht ausführlich im Artikel über Choreografie in Stufen. Für diese Kombination heißt das:
- Der Pivot Turn ist zuerst ein Mambo: rechts vor, Gewicht zurück, rechts zurück, Gewicht vor. Gleiche Füße, gleicher Rhythmus, keine Drehung.
- Der Jazz Square ist zuerst ein Box Step: vor, seit, zurück, seit. Das Kreuzen kommt später.
- Die beiden Chassés sind zuerst zwei Step Touch. Aus „Schritt, ran" wird „Schritt, ran, Schritt".
So steht nach wenigen Durchgängen eine Fassung, die alle mitgehen können. Sie sieht noch nicht nach Dance aus. Das ist richtig so.
Dann der Raum
Jetzt kommen die Richtungen und die Drehung. Aus dem Mambo wird der Pivot Turn: rechts vor, halbe Drehung nach links, das Gewicht landet auf links; noch einmal, und die Gruppe schaut wieder nach vorn. Aus dem Box Step wird der Jazz Square: rechts kreuzt vor links.
Die Drehung ist die Stelle, an der die meisten Gruppen kurz zerfallen. Für einen Moment sieht niemand dich. Deshalb gilt: Die Drehung kommt erst, wenn die Füße ohne Nachdenken laufen. Sag sie einen Achter vorher an, und bleib nach der Drehung genau an der Stelle stehen, an der dich die Gruppe vorher gesehen hat.
Dann die Arme
Arme kommen zuletzt in die Choreo, nicht zuerst. Wer die Füße noch zählt, hat für die Arme keinen Platz im Kopf. Und Arme, die falsch sind, stören niemanden — Füße, die falsch sind, bringen die Nachbarin aus dem Tritt.
Für die Beispiel-Kombination:
Grapevine
Arme seitlich auf, Klatschen auf 4
Kick Ball Change
Hände an die Hüfte
Pivot Turn
Arme locker mit
Jazz Square
Jazz Hands auf 4
Chassé
Arm zieht in die Richtung mit
V-Step
ins V: hoch, hoch, runter, runter
Step Touch
Schultern und Hüfte mit
Eine Regel hilft beim Erfinden: Die Arme folgen dem Count der Füße. Ein V-Step hat vier Bewegungen, also bekommt er vier Armbewegungen. Arme, die gegen den Fußrhythmus laufen, sind etwas für die letzte Stunde vor den Ferien, nicht für die erste mit einer neuen Kombination.
Sag die Arme als Angebot an, nicht als Pflicht: „Wer mag, mit Armen." Wer noch mit den Füßen beschäftigt ist, lässt sie unten — und fällt nicht auf.
Zum Schluss das Styling
Styling ist das, was die Gruppe am Ende nach Dance aussehen lässt: die Hüfte im Step Touch, der Blick über die Schulter nach dem Pivot, ein Stopp auf der 8 statt eines weichen Übergangs. Es kostet am wenigsten Zeit und bringt am meisten Freude — vorausgesetzt, die Kombination sitzt.
Entscheide dich pro Kombination für einen Stil. Jazz heißt: lange Linien, gestreckte Arme, Jazz Hands. Funk heißt: tiefer, lockerer, mit Bounce in den Knien. Latin heißt: Hüfte, kleine schnelle Füße. Eine Kombination, die alle drei mischt, sieht nach keinem aus.
Und zeig das Styling vor, statt es zu erklären. „Hüfte mit" verstehen zwei Leute. Wenn du es tanzt, machen es fünfzehn nach.
Die Kombination aufschreiben
Auf dem Zettel steht die fertige Fassung, mit Counts, in der Sprache, in der du ansagst. Die Arme in Klammern, wenn du sie brauchst:
Block B — Dance Kombi 1
1 × 8 Grapevine re/li (Klatschen)
1 × 8 2× Kick Ball Change, Pivot
1 × 8 Jazz Square, Chassé re/li
1 × 8 V-Step (Arme), Step Touch
Vier Zeilen, 32 Counts, ein Block. Die Aufbau-Stufen — Mambo statt Pivot, Box Step statt Jazz Square — gehören als eigene Zeilen in die Vorbereitung, nicht in den Block, den du im Kurs abliest.
In ChoreoPad hat Dance Aerobic ein eigenes Kursformat, das in Counts zählt. Jede Kombination ist ein Block, jede Zeile ein Schritt mit seiner Länge, und im Kurs liest du den Block ab, der gerade dran ist.
Kurz gesagt
Dance Aerobic sind Aerobic-Schritte mit vier Ebenen darüber: Raum, Drehung, Arme, Styling. Bring sie in dieser Reihenfolge bei, eine nach der anderen. Erst wenn die Füße ohne Nachdenken laufen, kommt die Drehung. Erst wenn die Drehung sitzt, kommen die Arme. Und das Styling am Ende ist der Moment, in dem die Gruppe merkt, dass sie gerade tanzt.